Die Entlassung aus der Klinik ist für viele Familien kein Ende, sondern ein Anfang.

Wenn das Krankenhaus entlässt und der eigentliche Weg erst beginnt

Die Klinikentlassung ist für viele Familien kein Ende, sondern ein Anfang.
Was Angehörige über die Überleitung in die Intensivpflege zuhause wissen müssen.

17. Mai 2026

Die Entlassung aus der Klinik ist für viele Familien kein Ende, sondern ein Anfang. Was es braucht, damit der Übergang in die außerklinische Intensivpflege nach Hause nicht zur Überforderung wird. Ein Leitfaden für Angehörige.

Was Angehörige über die Überleitung in die außerklinische Intensivpflege wissen sollten – bevor der Entlassungstag kommt.

Es gibt diesen Moment, den fast alle Angehörigen ähnlich beschreiben. Ein Arzt sagt einen Satz, der ruhig klingt, aber alles verändert: „Wir können hier nichts mehr für Ihren Vater tun, was er nicht auch zu Hause haben kann." Gemeint ist es als gute Nachricht. Empfunden wird es selten so.

Denn was folgt, ist keine Heimkehr im klassischen Sinn. Es ist ein Umzug medizinischer Geräte, ein Pflegegrad, der beantragt werden muss, eine Wohnung, die innerhalb weniger Tage zum Behandlungszimmer wird. Und die leise Sorge, dem Menschen, den man liebt, nicht genügen zu können.

Sieben Tage. Mehr Zeit bleibt oft nicht.

Eine ärztliche Erstverordnung der außerklinischen Intensivpflege durch das Krankenhaus gilt nur sieben Kalendertage. In dieser Frist muss eine Folgeverordnung vorliegen, ein Behandlungsplan stehen, ein Pflegedienst einsatzbereit sein, Hilfsmittel geliefert werden. Sieben Tage, in denen Angehörige telefonieren – während sie eigentlich nur eines wollen: bei ihrem Vater, ihrer Mutter, ihrem Kind sein.

Was außerklinische Intensivpflege wirklich ist

Seit November 2023 ist die außerklinische Intensivpflege (AKI) eine eigenständige Versorgungsform nach § 37c SGB V. Pflegefachkräfte mit intensivmedizinischer Erfahrung übernehmen Beatmung, Monitoring, Wundversorgung – Tag und Nacht, im eigenen Zuhause. Die Kosten trägt die Krankenkasse.

Was Sie als Angehörige tun können

Sprechen Sie den Sozialdienst der Klinik so früh wie möglich an. Nicht erst, wenn der Entlassungstermin steht. Fragen Sie nach Pflegeüberleitungsbogen, Behandlungsplan, Verordnungszeitraum. Und nehmen Sie parallel selbst Kontakt zu einem außerklinischen Intensivpflegedienst auf – statt zu warten, bis es jemand für Sie tut.

„Wir kommen nicht, um eine Klinik in die Wohnung zu bringen. Wir kommen, damit eine Wohnung wieder ein Zuhause sein kann."

Die ersten Wochen zuhause

Was viele Angehörige unterschätzen, ist nicht die medizinische Komplexität. Die ist hoch, aber planbar. Schwieriger ist das andere: dass plötzlich jemand Fremdes auf dem Sofa sitzt. Dass eine Pflegekraft die Medikation des eigenen Mannes besser kennt als man selbst.

Diese Anpassung braucht Zeit und sie gelingt nur, wenn klar ist, dass das Team nicht ersetzt, sondern entlastet. Dass es Angehörigen ihre Rolle zurückgibt: die Tochter zu sein, der Ehemann, der Sohn. Nicht die Hilfskraft.

Und irgendwann stellt sich etwas ein, womit niemand gerechnet hat: Normalität. Eine neue. Eine, in der das Beatmungsgerät leise im Hintergrund läuft, während die Enkelin am Bett vorliest. Eine, in der der Mensch, den man liebt, wieder zu Hause ist nicht nur körperlich, sondern wirklich.

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